Zen – um was geht es

 „Was ist der Weg?“ fragte ein Mönch den Meister.
Dieser antwortete:

DER ALLTÄGLICHE GEIST IST DER WEG.“ (Mumonkan)

Entstanden ist Zen im 6. Jahrhundert in China, aus dem Zusammentreffen des Buddhismus mit dem Taoismus. Im 12. Jahrhundert gelangte es nach Japan, wo es eine neue Blüte erlangte. Seit einigen Jahrzehnten gibt es auch im Westen eine echte Zenpraxis. Das japanische Wort „Zen“ bedeutet Sammlung des Geistes in Versunkenheit. Das geschieht beim Sitzen in der Stille. Ebenso wichtig ist die Zenpraxis im Alltag – Achtsamkeit bei allem Tun, gegenüber sich selber, allen Lebewesen und der Umwelt.

Zen – wozu?
Man kann aus verschiedenen Gründen Zen praktizieren. Häufig erwarten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen vom aufrechten Sitzen in der Stille

  • Mehr Ausgeglichenheit, Gelassenheit
  • Konzentration, Klarheit, innere Sammlung
  • Selbsterkenntnis, grössere Bewusstheit, Wesentlichkeit
  • Stressabbau und innere Ruhe
  • Üben wichtiger Haltungen wie Ausdauer, Kreativität, Entschlusskraft
  • Beziehungsfähigkeit, emotionale und soziale Kompetenz
  • Einen bewussteren Umgang mit sich selbst und der Umwelt
  • Die Erfahrung der eigenen Mitte und der Einheit mit allem Leben

Zen – ein Weg der Erfahrung

Zen ist grundsätzlich keine Lehre, sondern ein Weg der Erfahrung, der Entwicklung und der ganzheitlichen Lebensgestaltung. Trotz seines geschichtlichen Hintergrundes ist Zen an sich an keine religiöse Tradition gebunden. Man kann es von jeder Religionszugehörigkeit her praktizieren, sowohl als Buddhist, wie auch als Christ usw. „Zen kann jede Religion und Philosophie vertiefen und mit neuem Leben erfüllen.“ (Zenmeister Shibayama in: Eine Blume lehrt ohne Worte, 1989). Mit  dieser Sicht stimme ich überein. Es gab für mich keine Notwendigkeit, den christlichen Glauben gegen etwas anderes einzutauschen. Doch bin ich tief beeindruckt und beschenkt von der Weisheitslehre des Buddha und dankbar für die Lebensnähe, Schlichtheit und Tiefe des Zenweges.

Die Stille-Übung führt zum Annehmen seiner selbst und zum Loslassen von Konzepten, Theorien und Vorstellungen. Dabei entsteht Raum für eine  neue, zusätzliche geistige Ebene des Bewusstseins, die unser Leben reicher und tiefer macht.

Von Zenübenden wird erwartet, dass sie offen sind für die Erfahrung ihrer tiefsten Identität und des Wesensgrundes alles Existierenden, die jede Begrifflichkeit übersteigt. Diese Erfahrung führt zu guten Aspekten des Lebens wie Geborgenheit, Sicherheit, Gelassenheit und zur Entdeckung, mit der Quelle des Lebens in Einheit zu sein.

Ein zentrales Kriterium für die Bewährung der Übung ist die Gestaltung des Alltags, etwa im Sinne der „Goldenen Regel“: So handeln wie es für mich, für die andern und die Schöpfung gut ist und Gewalt und Leid vermieden werden.